Thomas Muggenthaler: Verbrechen Liebe

14,80 EUR
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Thomas Muggenthaler
Verbrechen Liebe
Von polnischen Männern und deutschen Frauen:
Hinrichtungen und Verfolgung in Niederbayern und der Oberpfalz während der NS-Zeit


Vorwort von Jörg Skriebeleit, Klappenbroschur, 176 S., ca. 40 S/W-Fotos und -Abb., 14,80 Euro
ISBN 978-3-929517-48-4


Ein bisher besonders tabuisiertes Kapitel der NS-Zeit erfährt hier seine Aufarbeitung: Der BR-Journalist Thomas Muggenthaler stieß vor ein paar Jahren auf Akten, die die Hinrichtung von über zwanzig polnischen Zwangsarbeitern in Niederbayern und der Oberpfalz dokumentieren. Sie wurden 1941 bis 1943 in der Nähe des Arbeitsplatzes, an dem sie als „Ostarbeiter“ eingesetzt waren, erhängt, weil sie „verbotenen Umgang“ mit deutschen Frauen hatten.


Der Journalist Thomas Muggenthaler hat in zahlreichen Beiträgen zeitgeschichtliche Themen zum Nationalsozialismus für den Rundfunk recherchiert und aufbereitet. Im Staatsarchiv Amberg stieß Thomas Muggenthaler vor ein paar Jahren auf Akten, die die Hinrichtung von über zwanzig polnischen Zwangsarbeitern in Niederbayern und der Oberpfalz dokumentieren. Sie wurden 1941 bis 1943 in der Nähe des Arbeitsplatzes, an dem sie als „Ostarbeiter“ eingesetzt waren, erhängt, weil sie „verbotenen Umgang“ mit deutschen Frauen hatten. Zur Abschreckung wurden die Zwangsarbeiter aus der Umgebung an dem Erhängten vorbei geführt. Später fanden Exekutionen im KZ Flossenbürg statt. Vielfach handelte es sich um bewegende Liebesgeschichten, z.T. wurde den Beschuldigten auch Vergewaltigung vorgeworfen. Nie wurden aber ordentliche Gerichtsprozesse geführt, zuständig für diese sogenannten „Sonderbehandlungen“ war die Geheimpolizei (Gestapo) in Regensburg. In den 1950er Jahren sichtete die Justiz die NS-Akten, ließ Beteiligte vernehmen.

Thomas Muggenthaler ging diesen Zeugnissen nach und recherchierte darüber hinaus an den entsprechenden Orten. Auch mit manchen betroffenen Frauen und einigen Kindern aus diesen Beziehungen konnte er sprechen. Manche erfuhren erst durch diese Gespräche ihre Familiengeschichte und so erst Genaueres über das Schicksal der Eltern oder Großeltern. Oft liegt aber sowohl an den Orten als auch in den Familien noch heute eine dicke Decke des Schweigens über diesen Ereignissen.
Ein bisher besonders tabuisiertes Kapitel der NS-Zeit erfährt hier seine Aufarbeitung.



Inhaltsverzeichnis: 

Vorwort von Jörg Skriebeleit
Einleitung

I. Hinrichtung in der Nähe des Arbeitsplatzes

Der Tod des Julian Majka
Julian Majka, hingerichtet am 18. April 1941 in Michelsneukirchen, Landkreis Cham

Das Polenhölzl
Jozef Berdzinski, hingerichtet am 6. August 1941 in Wolfsdorf, Stadt Landau an der Isar

Ein Grab gibt es nicht
Wladyslaw Jarek, hingerichtet am 15. August 1941 in Eschlbach, Landkreis Straubing-Bogen

Der Tod eines Liebespaares
Jan Gorka, hingerichtet am 30. September 1941 in Bruck, Landkreis Regen; Paula Blindzellner, gestorben am 19. Oktober 1942 im KZ Auschwitz

„Die Mama hat nichts erzählt“
Wladyslaw Krawczyk, hingerichtet am 4. Dezember 1941 in Weinzierl, Stadt Bad Griesbach

„Ich war verliebt“
Czeslaw Gongorowski, hingerichtet am 10. März 1942 in Münchshöfen, Landkreis Straubing-Bogen

„Ich will wissen, wer mein Großvater war“
Tomasz Wolak, hingerichtet am 10. März 1942 in Deutenkofen, Landkreis Landshut

Eine Jugendliebe endet tödlich
Kazimierz Rutkowski, hingerichtet am 20. März 1942 in Hütting, Landkreis Passau

„Auf dem Schulweg riefen sie ‚Polak‘ hinter mir her“
Jozef Trzeciak, hingerichtet am 8. Mai 1942 in Zachenberg, Landkreis Regen

„Der hat sich nicht mehr gerührt!“
Florian Skupien, hingerichtet am 14. Juli 1942 in Oberlauterbach, Landkreis Landshut

„Der Pole machte einen standhaften Eindruck“
Jan Czapraga, hingerichtet am 28. Juli 1942 in Winnberg, Landkreis Neumarkt

„Eines Tages war Dylag nicht mehr da“
Pawel Dylag, hingerichtet am 27. August 1942 in Rain, Landkreis Straubing-Bogen

„Ich dachte, mein Vater war ein deutscher Soldat“
Stanislaw Strychalski, hingerichtet am 27. August 1942 in Zolling, Landkreis Deggendorf

Ein Blumenstrauß als letzter Gruß
Stanislaw Arciszewski, hingerichtet am 3. September 1942 in Schafberg, Stadt Furth im Wald

„Die Bevölkerung war empört“
Jakub Janek, hingerichtet am 3. September 1942 in Neuern, Markt Eisenstein (Nyrsko, Tschechische Republik)

„Der Mann fiel in das Nichts“
Feliks Haberko, hingerichtet am 16. Oktober 1942 in Bad Abbach, Landkreis Kelheim

„Marzec gab keinen Ton von sich“
Zygmunt Marzec, hingerichtet am 12. November 1942 in Bodenstein, Stadt Nittenau

Vergessen und verschwiegen
Michal Kycia, hingerichtet am 12. November 1942 in Zolling, Landkreis Deggendorf

Kind ohne Eltern
Wladyslaw Belzyr, hingerichtet am 13. November 1942 in Tollbach, Landkreis Kelheim; Anna B., gestorben am 14. April 1944 im KZ Auschwitz

Zweierlei Maß
Stanislaw Morawski, hingerichtet am 13. November 1942 in Schweinbach, Landkreis Kelheim

„Das war ein fleißiger Bursch“
Jozef Bzdzikot, hingerichtet am 25. November 1942 in Kronstetten, Stadt Schwandorf

Tod am Zwieselberg
Adam Piersiak, hingerichtet am 29. April1943 in Zwieselberg, Stadt Zwiesel

II. Tod im Konzentrationslager

„Das war richtige Liebe“
Karol Wolowiec, verhaftet in Lengdorf, Stadt Simbach am Inn, gestorben am 8. November 1942 im KZ Flossenbürg

Aus Verzweiflung das Kind getötet
Wassili Sisko, verhaftet in der Gemeinde Falkenberg, hingerichtet am 2. Oktober 1943 im KZ Flossenbürg

Heirat nicht erwünscht
Mieczyslaw Gruchacz, verhaftet in Reicherstetten, Landkreis Landshut, gestorben am 1. April 1944 im KZ Flossenbürg

Schicksal unbekannt
Stanislaw Czabanski, verhaftet am 22. Mai 1944 in Furth bei Landshut, deportiert in das KZ Bergen-Belsen

III. Die Verfolgung überlebt

„Eingedeutscht“
Stanislaw Mlynarski, verhaftet am 15. Dezember 1941 in Pickenbach, Landkreis Kelheim

Weihnachtsgrüße aus Amerika
Pjotr Zuk, verhaftet am 18. Mai 1942 in Tännesberg, Landkreis Neustadt an der Waldnaab


Anhang
Übersichtskarte
Liste der Exekutionen mit Anmerkungen
Literatur und Quellen
Nachweis der Fotos und Abbildungen
Dank

Thomas Muggenthaler, geboren 1956, aufgewachsen in Waffenbrunn und Cham, Studium der Politischen Wissenschaften und Soziologie. Er arbeitet als Journalist beim Bayerischen Rundfunk, lebt in Regensburg. Autor zahlreicher zeitgeschichtlicher Hörfunksendungen, fünf Radiodokumentationen sind 2009 in der BR-Radioedition dem vergessen entrissen (CD-Box) zusammengefasst. Im lichtung verlag ist 2003 das Buch Wir hatten keine Jugend – Zwangsarbeiter erinnern sich an ihre Zeit in Bayern erschienen.

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